Diese Frage begleitet uns seit 12 Jahren …
Wenn wir auf LinkedIn ein Foto vom Esstisch einer Finca posten, drei Laptops, ein Kaffee, im Hintergrund ein Olivenbaum, dann ist die häufigste Reaktion ein Like. Die zweithäufigste ist die Frage: „Was ist ein Holiwork?”
Wir machen das seit 2014. Der erste Erfahrungsbericht heißt „Arbeiten unter dem Orangenbaum” und beschreibt einen zehntägigen Aufenthalt mit 15 Leuten aus mehreren Agenturen auf dem Landgut Son Andrés bei Manacor auf Mallorca. Bezeichnend für das Format: Aus dem überdurchschnittlich hohen Aioli-Konsum der Woche entstand der Name unseres Open-Source-Modulmanagers ioly. Eine ernsthafte Software-Architektur, benannt nach dem, was am Frühstückstisch zu viel war. Wer das skurril findet, hat das Format verstanden.
Inzwischen liegen acht Reiseberichte unter proudcommerce.com/tag/holiwork — von Mallorca-Fincas über Stadt-Apartments in Malaga und Valencia bis zum Wohnmobil am Bodensee, vom Bauernhof bei Passau bis zum coronabedingten Schrebergarten in Nürnberg. Alle mit der stillschweigenden Annahme, das Wort sei selbsterklärend. Ist es nicht. Eine Recherche durch die einschlägige Literatur (Fraunhofer IAO, Haufe, IW Köln, EY, Asana, Buffer, Doist) bestätigt das: Im wissenschaftlichen und politischen Fachsprachgebrauch dominiert der Begriff „Workation”. „Holiwork” hat sich nie etabliert, der Begriff bleibt eine Wortschöpfung einzelner Unternehmen — wir sind eines davon. Also hier der fehlende Artikel.
Holiwork, Workation, Bleisure, Remote Work — was ist was?
Vier Begriffe, die ständig verwechselt werden. Die Unterschiede sind nicht trivial, denn sie entscheiden darüber, was rechtlich, steuerlich und kulturell gemeint ist.
Workation (Work + Vacation) ist der Oberbegriff. Eine Workation ist eine Reise, auf der gearbeitet wird — wenige Tage bis mehrere Monate, allein oder im Team, vom Mitarbeitenden selbst geplant oder vom Arbeitgeber organisiert. Klassische Definition laut Hotelkette Meininger und Asana: Tapetenwechsel mit Laptop, ohne die Arbeit zu unterbrechen.
Bleisure (Business + Leisure) ist die Geschäftsreise mit angehängten Urlaubstagen. Reihenfolge: erst der Termin, dann die Verlängerung. Bleisure ist passiv — die Reise wäre sowieso passiert.
Remote Work beschreibt keine Reise, sondern eine Arbeitsform: ortsunabhängig tätig sein. Remote Worker können das ganze Jahr von überall arbeiten und sind nicht zwingend auf Urlaub. Der Begriff ist breiter und enthält Workation als Teilmenge.
Holiwork ist unsere Wortprägung und beschreibt eine spezifische Form der Workation: ein Team-Format mit Fokus auf gemeinsame Zeit, Erholung und das bewusste Verlegen des Büros — nicht das Mitnehmen des Laptops in den eigenen Urlaub. Ein Holiwork hat drei Eigenschaften, die ihn von der typischen Solo-Workation unterscheiden:
- Team-Format, nicht Solo-Format. Mindestens zwei, oft das ganze Team. Das ist kein Sabbatical-Light für einzelne, sondern ein bewusster gemeinsamer Modus.
- Zeitlich begrenzt und wiederkehrend. Eine Woche, manchmal zwei. Ein- bis zweimal im Jahr. Nicht „bis es uns langweilig wird”.
- Reale Arbeit, nicht symbolisch. Acht-Stunden-Tage, Kunden-Calls, Releases, Tickets. Kein Kunde “merkt”, dass wir nicht im Nürnberger Büro sitzen, außer wir erzählen es.
Der einzige Unterschied zur normalen Arbeitswoche ist der Ort. Und der macht erstaunlich viel Unterschied.
Was ein Holiwork nicht ist
Es ist kein Urlaub. Wir nehmen unsere Holiwork-Wochen nicht aus dem Urlaubskontingent. Es sind reguläre Arbeitswochen. Wer in der Zeit eine Auszeit möchte, hängt vorher oder hinterher Tage dran. Das deckt sich mit der Empfehlung des Fraunhofer IAO und von Asana, die in ihren Best-Practice-Leitfäden ausdrücklich davor warnen, Workation als Urlaubsersatz zu missverstehen — sonst entsteht genau das Burnout, das das Format eigentlich verhindern soll.
Es ist kein Team-Building-Event mit externem Coach. Kein moderiertes Lagerfeuer, keine Floßbau-Übung. Wenn überhaupt, ergibt sich Team-Building beiläufig — beim gemeinsamen Kochen, beim Spaziergang nach dem letzten Daily.
Wie verbreitet ist das überhaupt?
Holiwork als Wort ist Nische. Workation als Praxis ist es nicht. Die aktuellen Zahlen für 2024 bis 2026 zeigen, dass mobile und ortsunabhängige Arbeit längst Mainstream ist — auch im deutschen Mittelstand:
- 25 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten 2025 zumindest gelegentlich im Homeoffice. 2019 waren es 13 Prozent. (Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung April 2026)
- 15 Prozent der Unternehmen in Deutschland bieten offiziell an, vorübergehend aus dem Ausland zu arbeiten. (IW Köln, Kurzbericht 28/2024)
- 65 Prozent der Workation-Teilnehmenden berichten von gesteigerter Motivation, 71 Prozent von gesteigerter Zufriedenheit. (Fraunhofer IAO, Faktencheck Workation)
- EY erlaubt im Programm „Job Portability” bis zu 90 Tage Auslandsarbeit pro Jahr in über 20 Ländern, mit digitalem Antragsverfahren und Risiko-Prüfung pro Land.
Wer 2026 also mit dem Gedanken spielt, ein Team-Format zu etablieren: ihr seid weder Pioniere noch Sonderlinge. Das Konzept ist erprobt, die Frage ist nur die Ausgestaltung.
Wie ein Holiwork bei uns aussieht
Damit das Wort konkret wird, hier ein typischer Ablauf, wie wir ihn seit Jahren leben.
Ein bis zwei Mal pro Jahr — meist als Finca-Holiwork oder als Stadt-Holiwork. Das sind die zwei Formate, die sich bei uns über die Jahre eingespielt haben. Finca-Holiwork heißt: ein Haus mit Pool, etwas außerhalb, klassisch auf Mallorca (2014 Manacor, 2015 Mijas, 2019 Harley Finca, 2022 Landgut Murtera in Manacor und seit 2024 die gleiche Finca im dritten Jahr in Folge). Stadt-Holiwork heißt: ein Apartment mitten in der Stadt, klassisch Malaga — wir fahren dort 2026 zum zwölften Jahr in Folge hin, was uns selbst ehrlich gesagt überrascht. Auch Valencia im Trendviertel Ruzafa, Palma de Mallorca oder Madeira sind in den letzten Jahren dazugekommen. Beide Formate haben ihren eigenen Rhythmus, und wir wechseln bewusst ab.
Daneben haben wir uns über die Jahre auch andere Möglichekiten gefunden: ein Bauernhof-Holiwork im Rottaler Oachkatzl bei Passau (zweimal, mit Fasssauna und Holzbadezuber), eine Wohnmobil-Tour rund um den Bodensee inklusive Kundenbesuchen unterwegs, ein Finca-Holiwork in Kroatien (Villa Toni nahe Rijeka) und im Sommer 2020 sogar ein Holiwork im Schrebergarten eines Kollegen — coronabedingt, mit selbstgebauter Paletten-Lounge und improvisiertem Pool.
Außerdem gibt es noch eine dritte Variante: das Mini-Holiwork. Zwei oder drei Leute, vier bis sieben Tage, oft am Saison-Anfang oder -Ende, an einem warmen Ort: Madeira, Sofia, Budapest, Antalya, Palermo, Teneriffa. Der Zweck ist hier nicht Team-Bindung, sondern konzentrierte strategische Arbeit an einzelnen Produkten — bei uns klassisch Canvanizer oder Beffy. Im Januar 2026 haben wir auf Teneriffa bei 22 Grad die Jahres-Saison eröffnet. Das Format ist eine Mischung aus Klausur und Tapetenwechsel, und es ergänzt die großen Team-Holiworks gut.
Eine besondere Variante, die uns lieb geworden ist: das Multi-Agentur-Holiwork. Regelmäßig sind die Kolleg:innen von gn2 dabei. In Manacor 2014 waren es 15 Leute aus mehreren Agenturen — und genau aus dieser Konstellation entstand das Open-Source-Tool ioly. Wenn man sich die Holiwork-Woche mit befreundeten Agenturen teilt, entsteht eine andere Art von Austausch: Über Tools, Prozesse, Kunden-Stories. Wir können das nur empfehlen.
Eine Woche, klassisch von Sonntag bis Sonntag — aber nicht in Stein gemeißelt. Sonntag-zu-Sonntag hat sich bewährt, weil die Arbeitswoche dann von Montag bis Freitag glatt durchläuft, ohne Anreise- oder Packstress. Es kann aber je nach Flugverbindungen und Verfügbarkeit der Unterkunft auch Samstag-Samstag oder Freitag-Freitag werden. Wichtiger als der genaue Wochentag ist, dass die fünf Arbeitstage in der Mitte ungestört liegen.
Eine Unterkunft, alle zusammen. Eine Finca, ein großes Apartment, ein Haus. Normalerweise Doppelzimmer, ab und zu auch Einzelzimmer, eine gemeinsame Küche, Wohnzimmer und ein großr Esstisch, der tagsüber zum Coworking-Space wird. Das ist absichtlich so. Wenn jeder im eigenen Hotelzimmer säße, wäre der Holiwork-Effekt weg.
Der Morgen läuft individuell. Anders, als das in Reiseblogs gerne dargestellt wird, frühstückt bei uns nicht das ganze Team feierlich zusammen. Der eine steht früher auf und arbeitet schon, der andere geht erst joggen, der dritte schläft länger und kommt um halb zehn an den Esstisch. Das funktioniert so lange, wie das Daily wie gewohnt um neun läuft und alle dann da sind. Wer Frühstück will, macht sich Frühstück. Wer keinen Hunger hat, fängt einfach an. Diese Freiheit ist Teil dessen, was ein Holiwork von einem Klassenfahrt-Format unterscheidet.
Mittags je nach Modus. Beim Finca-Holiwork ist die Mittagspause oft schnell und in der Küche — schnelles Gericht, weiter geht’s. Bei Stadt-Holiwork wird’s gerne ein Café nebenan, weil’s eben da ist. Beim Malaga-Holiwork war das jahrelang das Café Uncibay am Plaza de Uncibay, beim Valencia-Holiwork waren die Lieblings-Coworking-Cafés Blackbird, ArtySana, Federal und FayerBar — wobei sich schnell zeigte, dass die Laptop-Toleranz pro Café unterschiedlich ist (manche nur bis 14 Uhr, andere nur außerhalb der Stoßzeiten). Geheimtipp aus Valencia, der über die Jahre Bestand hatte: das Santander Work/Café mit kostenlosem WLAN, ordentlichem Kaffee und Gratis-Snacks, mit Zwei-Stunden-Limit für Nicht-Kunden. Auch hier gilt: nicht zwingend das ganze Team gleichzeitig. Wer gerade in einem Call sitzt, isst eben später.
Nachmittags die kleine Pause, die den Unterschied macht. Auf der Finca: zwischendurch immer wieder kurz in den Pool, zehn Minuten, Kopf wieder frei, weitermachen. In der Stadt: gegen 17 Uhr packen meistens alle zusammen und gehen für eine Stunde an den Strand. Das ist nicht Faulheit, das ist die Pause, die du in Deutschland in der Form nie hättest. Sie ist der Punkt, an dem der Tag wieder neu wird, bevor abends weitergearbeitet wird.
Abends erst essen, dann oft noch mal arbeiten. Gemeinsames Abendessen ist gesetzt — kochen oder Restaurant. Danach setzt sich aber typischerweise noch jemand für ein, zwei Stunden an den Laptop, weil die Energie da ist und der Kopf klar. Das ist der eine Punkt, in dem ein Holiwork ehrlicherweise von einer normalen Arbeitswoche abweicht: die Tageskante zwischen Arbeit und Freizeit ist weicher. Das hat seine Risiken (siehe Burnout weiter unten), aber wenn das Team es versteht, ist es genau die Art von Flexibilität, die das Format wertvoll macht.
Keiner trinkt sich durch. Klingt banal, ist es aber nicht. Wenn ein Team eine Woche zusammen wohnt, gibt es Versuchung. Bei uns ist die ungeschriebene Regel: alkoholische Getränke gibt es ab dem Abendessen, und am nächsten Morgen ist um neun das Daily. Wer das nicht packt, hat das falsche Format gewählt.
Was ein Holiwork ausmacht
Der ehrlichste Punkt: Warum machen wir das seit zwölf Jahren weiter?
Konzentration ohne Alltag. Zuhause gibt es Wäsche, Termine, Erledigungen, das Paket vom Nachbarn. In einer Holiwork-Woche fällt das alles weg. Vier Stunden konzentriertes Arbeiten an einem ruhigen Esstisch in Andalusien sind produktiver als sechs Stunden zwischen Telefonaten und Türklingeln in München. Das deckt sich mit den Fraunhofer-Daten zu Motivation und Zufriedenheit, ist aber für uns kein Studienergebnis, sondern Alltagsbeobachtung.
Distanz schafft Ideen. InvoiceSensei, unser eigenes Produkt, ist auf einem Holiwork in Teneriffa entstanden. Nicht in einem Strategie-Workshop, nicht beim Sales-Pitch, sondern an einem Nachmittag, als jemand laut über die eigene Buchhaltung geflucht hat und der Kollege gegenüber „warte, das könnte man eigentlich…” sagte. Genau so ist auch unser Open-Source-Modulmanager ioly entstanden — beim allerersten Holiwork 2014 auf Mallorca, mit 15 Leuten aus mehreren Agenturen, die sich vorher kaum kannten. Solche Momente entstehen nicht im Wochenkalender. Sie entstehen, wenn man eine Woche aus dem Alltag rausgenommen wird und der Kopf wieder Platz bekommt.
Team-Bindung passiert nebenbei. Wir glauben nicht an formelles Team-Building. Wir glauben an gemeinsam acht Tage am selben Esstisch sitzen, dieselbe Küche teilen, dieselben Witze entwickeln. Was sich in einer Holiwork-Woche an Vertrauen aufbaut, hält länger als jedes Floßbau-Event.
Das ist nicht nur unser Eindruck. Doist (Macher von Todoist, vollständig remote) macht jährliche Retreats in Menorca, Island, Athen und schreibt: „Wir verbringen relativ wenig Zeit in formalen Arbeitssitzungen, und die restliche Zeit erkunden wir die schönen Orte und haben spontane Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Teams.” Genau das ist das Format. Es ist auch das, was Doist betont: „Es ist nur eine Woche im Jahr. Alles andere, das wir das ganze Jahr über tun, ist viel wichtiger.” Eine Holiwork ersetzt keine Kultur. Sie verstärkt eine, die bereits da ist.
Die Holiwork-Schattenseiten
Wir sind seit 2014 dabei, deshalb gehört der ehrliche Teil dazu. Holiwork hat fünf reale Probleme, die wir teils selbst erlebt, teils bei anderen Teams gesehen haben.
Cabin Fever ist real. Acht Tage am selben Ort mit denselben Leuten kann anstrengend werden. Symptome: Reizbarkeit, Rückzug, Lethargie, ein dumpfer Wunsch nach Alleinsein. Klingt harmlos, ist es nicht. Wenn man in Tag fünf merkt, dass der Lieblingskollege plötzlich nervt, ist das nicht der Kollege — das ist Cabin Fever.
Burnout durch Grenzauflösung. Asana und das US-Magazin Business Insider warnen seit Jahren: Workation kann genau das verstärken, was sie verhindern soll. Wer abends arbeitet, weil’s so schön ist, und morgens trotzdem ins Daily geht, hat nach drei Tagen einen Schlafrhythmus aus der Hölle. Klare Stopp-Zeiten sind Pflicht.
Klima. Ein Flug München-Teneriffa-München mit fünf Personen liegt deutlich oberhalb dessen, was an Pendel-CO₂ in einer Woche eingespart wird. Das Umweltbundesamt rechnet bei Fernflügen mit 2- bis 5-fach höherer Klimawirkung als der reine CO₂-Ausstoß. Wer Holiwork ehrlich denkt, denkt Bahn-erreichbare Ziele und seltenere Flugreisen mit.
Sozioökonomisch nicht für alle. Holiwork funktioniert nur in Berufen, die remote sind. Pflegekräfte, Bauarbeiter, Verkäuferinnen können nicht „kurz nach Andalusien”. Das ist ein Privileg von Wissensarbeit. Damit muss man umgehen, statt es als Universal-Benefit zu verkaufen. Auch nicht jeder Mitarbeiter:in ist für das Konzept zu haben.
Sichtbarkeit kann leiden. Eine britische Analyse des Office for National Statistics zeigt: Remote-Mitarbeitende haben eine um 50 Prozent geringere Beförderungschance als ihre Büro-Kollegen. Bei einer Holiwork-Woche im Jahr ist das nicht relevant — bei dauerhafter Remote-Arbeit aus dem Ausland sehr wohl. Wer gemischte Teams hat (Remote + Büro), sollte Sichtbarkeit aktiv steuern.
Holiwork – Recht und Steuer
Hier wird’s unsexy, aber unverzichtbar. Wer ein Holiwork plant, hat es mit vier Rechtsgebieten gleichzeitig zu tun: Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Steuerrecht und Datenschutz. Seit Anfang 2026 gibt es zusätzlich neue Regeln, die viele Workation-Richtlinien überholt haben.
Sozialversicherung — A1-Bescheinigung. Innerhalb von EU/EWR/UK/Schweiz beantragt der Arbeitgeber für jede Workation-Reise eine A1-Bescheinigung bei der Krankenkasse oder der Deutschen Rentenversicherung Bund. Damit gilt weiter das deutsche Sozialversicherungsrecht. Ohne A1 ist der Mitarbeitende im Zweifel doppelt oder gar nicht versichert. (Quelle: AOK, Haufe Personal)
Steuer — die 183-Tage-Regel. Solange ein Arbeitnehmer in einem Steuerjahr nicht mehr als 183 Tage im selben Ausland tätig wird, der Lohn nicht von einer dortigen Betriebsstätte getragen wird und der Arbeitgeber dort nicht ansässig ist, bleibt das Besteuerungsrecht bei Deutschland. Bei einer Woche pro Holiwork ist das nie ein Thema. Wer das aber mit individuellen Workations kombiniert, muss zusammenrechnen — auch Krankheitstage zählen mit.
Neu seit 31. Dezember 2025: Die 34-Tage-Regel im DBA Deutschland-Niederlande. Grenzgänger und Remote Worker dürfen bis zu 34 Tage pro Jahr aus dem Nachbarland arbeiten, ohne dass sich die steuerliche Zuordnung ändert. Ähnliche Regelungen sind mit Österreich und Frankreich in Vorbereitung („Blend_it!”-Initiative). Für klassische Holiworks in Spanien oder Italien zählen diese Sonderregeln nicht — dort gilt weiter der allgemeine 183-Tage-Mechanismus.
Neu seit 1. Januar 2026: Mindestlohn 13,90 €/Stunde. Gilt auch für Mitarbeitende mit deutschem Vertrag, die temporär aus dem Ausland arbeiten. Personalabteilungen sollten vor jeder Workation prüfen, ob die Entgelte stimmen.
Betriebsstätten-Risiko. Wer dauerhaft an einem festen Ort im Ausland arbeitet, kann ungewollt eine Betriebsstätte des Arbeitgebers begründen — mit lokalen Steuerpflichten. Bei kurzen, wiederkehrenden Holiworks ist das praktisch nie der Fall, sollte aber bei Aufenthalten über vier Wochen oder bei dauerhafter Auslands-Telearbeit geprüft werden.
Praktische Empfehlung (Anwaltskanzlei Kliemt, EY): Workation auf das EU-Ausland beschränken, maximal 30 Tage pro Reise, klar dokumentierter Antrag, A1-Bescheinigung im Vorlauf, Datenschutz-Setup vor Abflug prüfen. Für ein Sonntag-Sonntag-Holiwork in Spanien ist das ein Blatt Papier — kein Hexenwerk, aber pflicht.
Unsere TOP5 Holiwork Learnings
Falls dieser Artikel dich auf die Idee bringt, ein eigenes Holiwork-Format zu probieren, hier die Punkte, an denen wir am meisten gelernt haben.
- Viel Platz, drinnen und draußen — das ist mit Abstand der wichtigste Punkt. Was wirklich zählt, ist der gesamte verfügbare Raum: drinnen mehrere getrennte Bereiche, in denen drei Leute parallel in Calls sein können, ohne sich gegenseitig zu stören. Vor allem aber: viel Garten, viel Außenfläche. Zum Rumlaufen, wenn man über ein kniffliges Problem nachdenkt. Zum Spazieren beim Telefonieren mit dem Kunden. Zum Hinsetzen auf eine andere Bank, wenn der Kopf einen Tapetenwechsel braucht — auch innerhalb desselben Grundstücks. Und ein Pool zum Reinspringen am Nachmittag, wenn die Konzentration nachlässt. Genau diese Mischung — viele kleine Rückzugsorte plus ein gemeinsamer Esstisch in der Mitte — macht den Unterschied zwischen einer Holiwork und einer Klassenfahrt mit Laptops. Unsere Mallorca-Stamm-Finca hat genau diese Eigenschaften, und deshalb fahren wir 2026 schon zum dritten Mal in Folge dorthin.
- Internet zuerst, alles andere danach. Die teuerste Lektion in zwölf Jahren Holiwork war 2019 auf der Harley Finca auf Mallorca. Vorher als „DSL” angekündigt, vor Ort entpuppte sich die Leitung als Satelliteninternet mit 3G/UMTS-Rückkanal — für eine Tech-Agentur mit Kunden-Calls und Deployments ein echter Produktivitäts-Schock. Schon 2014 in Manacor hatten wir aus dem 6-MBit-ADSL-Anschluss mit eigenem WLAN-Setup ein funktionierendes Netz gebastelt, aber das war noch eine andere Zeit und ein anderer Anspruch. Lange Jahre danach war unsere Lösung eine regionale Prepaid-SIM (in Spanien etwa von Vodafone oder Orange) als Fallback — weil Fincas auf dem Land oft nur über Richtfunk angebunden sind, mit entsprechend instabiler Leitung. Inzwischen reisen wir mit Starlink Mini im Gepäck. Das nimmt einem die Sorge komplett ab: einmal aufstellen, freie Sicht nach oben, fertig. Der reine Komfortgewinn rechtfertigt die Anschaffung nach zwei Holiworks. Pro Person mindestens 10 Mbps Upload, sonst gibt’s Stress in Calls.
- Wenn ein Setup funktioniert, bleib dabei. Die Versuchung, jedes Jahr einen neuen Ort zu finden, ist groß — Inspiration, Abwechslung, neue Eindrücke. Wir haben das in den ersten Jahren auch so gemacht. Inzwischen sehen wir das anders: Eine Finca, die einmal alle Anforderungen erfüllt (Internet stabil, genug Platz innen und außen, Pool, Schreibtische, ruhige Lage), gehört wieder gebucht. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil das Team am ersten Tag schon „angekommen” ist, statt sich erst orientieren zu müssen. Die Vorbereitung schrumpft auf ein Drittel, die Risiken (siehe Internet-Desaster 2019) gehen gegen null. Unsere Mallorca-Stamm-Finca buchen wir 2026 zum dritten Mal in Folge. Malaga im Juni 2026 ist das zwölfte Jahr in Folge. Wenn der Ort gut ist, brauchst du keine neue Inspiration — du brauchst Konzentration auf die Arbeit, und dafür ist Routine im Setup ein Geschenk.
- Kein Cabin Fever zulassen. Plant aktiv kleine Auszeiten ein. Eine Person geht abends mal allein laufen, eine andere mietet sich zwischendurch einen Coworking-Tag in der Stadt. Der Trick ist, dem Team Luft zum Atmen zu lassen, ohne den gemeinsamen Modus aufzulösen.
- Holiwork ist freiwillig — sonst ist es kein Holiwork. Verordnetes Holiwork ist die schlechteste Variante. Wir haben in den ersten Jahren immer gefragt, ob alle dabei sein möchten, und in den seltenen Fällen, in denen jemand nicht konnte oder wollte, war das auch in Ordnung. Diese Person ist dann normal von zuhause aus reingestiegen, ohne Drama. Wer die Woche nicht aus eigenem Antrieb gut findet, zieht das ganze Team runter — und das ist die einzige Regel, die nicht verhandelbar ist.
Kurz-Checkliste für deine erste Holiwork
Wenn du jetzt ein Format anstößt, dann mit diesen Schritten:
- Drei Monate vorher: Termin und Ort grob festlegen, im Team abklären, wer dabei ist
- Acht Wochen vorher: Unterkunft buchen (Internet-Check telefonisch! WLAN-Geschwindigkeit schriftlich bestätigen lassen)
- Sechs Wochen vorher: A1-Bescheinigungen bei der Krankenkasse beantragen (kann dauern bis der Prozess eingespielt ist)
- Vier Wochen vorher: Kunden über die Woche informieren, Vertretungen klären, Daily-Zeiten zoom-fest machen
- Zwei Wochen vorher: 5G-Backup-Hotspot organisieren, Reiseversicherung checken, Daten-Setup (VPN, Cloud-Zugang) testen
- In der Woche selbst: Tagesstruktur halten, Cabin-Fever-Pausen einplanen, abends abschalten
- Danach: Kurze Feedback-Runde im Team — was war gut, was nicht, was machen wir nächstes Mal anders
Holiwork Aus- und Rückblick
2026 sind zwei Team-Holiworks fest gesetzt: im Juni Malaga für das klassische Stadt-Format — zum zwölften Jahr in Folge, was wir selbst kaum glauben — und im September Mallorca in der gleichen Finca, in der wir bereits 2024 und 2025 waren. Zum dritten Mal in Folge, weil sie für unsere Anforderungen schlicht perfekt ist (Pool, getrennte Arbeitsbereiche, ruhige Lage, stabile Anbindung). Wenn ein Setup einmal funktioniert, lohnt es sich, beim selben Ort zu bleiben, statt jedes Jahr neu zu suchen. Das spart Vorbereitungs-Stress und bringt diesen merkwürdig wertvollen Effekt mit sich, dass das Team nach Tag eins schon wieder „ankommt”, ohne sich erst in der Unterkunft orientieren zu müssen. Dazu kommen 2026 voraussichtlich noch ein bis zwei Mini-Holiworks zu zweit oder dritt — der Saison-Auftakt im Januar war bereits Teneriffa.
Wenn du in der Zwischenzeit einen Erfahrungsbericht von uns lesen willst, hier die chronologische Liste der wichtigsten Holiworks. Bei den älteren findest du den ausführlichen Blogpost, bei den neueren oft nur einen Instagram-Post mit Foto-Galerie — wir haben irgendwann aufgehört, jedes Mal einen Reisebericht zu schreiben, weil das Format für uns zu selbstverständlich geworden war.
- Arbeiten unter dem Orangenbaum (2014, Manacor/Mallorca, 15 Personen, Geburtsstunde von ioly)
- Arbeiten unter dem Avocadobaum (2015, Mijas, 5 Personen, Casa Leoville)
- Holiwork Tipp Malaga (2016, drittes Jahr in Folge in Malaga, Coworking Translation Factory)
- Arbeiten unter dem Granatapfelbaum (2019, Harley Finca/Mallorca, 10 Personen, Internet-Desaster)
- Holiwork im heimischen Garten (2020, coronabedingt im Schrebergarten)
- Holiwork Tipp Oachkatzl (2021, Bauernhof bei Passau, Fasssauna inklusive)
- Workation Valencia (2022, Trendviertel Ruzafa)
- Holiwork Mallorca 2022 (Landgut Murtera, Manacor, gemeinsamer Paella-Abend mit den Vermietern)
- Mini-Holiwork Sofia (November 2022, Canvanizer-Klausur)
- Holiwork Mallorca 2023
- Mini-Holiwork Palermo (März 2024, Saison-Start mit Beffy)
- Holiwork Malaga 2024 (Mai 2024, zehntes Jahr in Folge, Fokus auf Cypress)
- Holiwork Mallorca 2024 (erstes Jahr in der Stamm-Finca)
- Mini-Holiwork Antalya (November 2024, Canvanizer-Strategie)
- Holiwork Malaga 2025
- Holiwork Mallorca 2025 (zweites Jahr in der Stamm-Finca)
- Eine Woche Holiwork im Wohnmobil (2025, Bodensee-Tour mit Kundenbesuchen unterwegs)
- Mini-Holiwork Teneriffa (Januar 2026, Saison-Auftakt bei 22 Grad)
Aktuelle Foto-Eindrücke gibt es regelmäßig auf unserem @proudcommerce Instagram Account.
Kennst du schon sid.travel? Perfekt um zusammen euer nächstes Holiwork zu planen. 😉
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung April 2026: Homeoffice-Quote 2025
- Statistisches Bundesamt: Homeoffice-Statistik (Themenseite)
- EY Tax & Law Magazine: „Workation macht nicht nur Konzerne attraktiver” (basierend auf IW-Kurzbericht 28/2024)
- Fraunhofer IAO: „Workation im Faktencheck — Auswirkungen auf die Arbeitswelt”
- Haufe Personal: „Homeoffice im Ausland — was Arbeitgeber wissen müssen”
- Haufe HR Magazin: „Homeoffice & Workation — rechtssichere Tipps”
- AOK: „Workation und grenzüberschreitende Telearbeit — A1-Bescheinigung”
- Steuertipps.de: 183-Tage-Regelung
- Kanzlei Kliemt (Januar 2025): „Arbeiten, wo andere Urlaub machen — rechtliche Hürden bei Workation”
- ad-hoc-news: „Workation-Regeln — neue Gesetze treten zum Jahreswechsel 2026 in Kraft”
- Lano: „Workations für Remote-Teams — was Arbeitgeber wissen sollten”
- Lano: „Remote Work verschärft das Homeoffice — Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern”
- Hans-Böckler-Stiftung / WSI: „Erwerbstätige mit Vorgaben für weniger Homeoffice konfrontiert”
- Doist: „How Doist Works Remotely”
- Asana: „Was ist eine Workcation?”
- plant values: „Eine Workation planen — Tipps und Erfahrungen”
- Umweltbundesamt: Klimawirkung von Flugreisen
